Einen sehr eindrucksvollen Nachmittag erlebten die Besucherinnen und Besucher aus Leun bei ihrem Besuch der Gedenkstätte Hadamar. Nach der Begrüßung um 13:30 Uhr begann die Veranstaltung mit einer Einführung im Seminarraum.

Dabei erhielten die Teilnehmenden einen ersten Überblick über das Thema „Euthanasie im Dritten Reich“. Besonders eindrücklich wurde die Akribie deutlich, mit der die Nationalsozialisten den systematischen Prozess zur Tötung von rund 70.000 als „unwertes Leben“ bezeichneten Menschen durchführten.

Rauchfahne aus dem Krematorium über der Tötungsanstalt Hadamar
Rauchfahne aus dem Krematorium über der Tötungsanstalt Hadamar

Von der zentralen Auslese in der Berliner Tiergartenstraße 4 („Aktion T4“) über die Organisation der Transporte in Zwischenlager bis hin zur Vernichtung in den Gaskammern einer der sechs Tötungsanstalten wurde die tödliche Präzision des Staatsapparates erschreckend deutlich. Auch die Frage nach der Legitimation dieser Maßnahmen wurde beleuchtet: Wann begann die Aktion T4, und welche Gesetze ebneten ihr den Weg?

Zwischendurch folgte ein geführter Rundgang durch die Gedenkstätte. Die Teilnehmenden besichtigten die historischen Räume der ehemalige Tötungsanstalt, und erhielten Einblicke in Biografien von Tätern und Opfern.

Propaganda
Propaganda

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Rolle der Propaganda. Anhand historischer Beispiele wurde gezeigt, wie die Bevölkerung durch scheinbar einfache ökonomische Argumente zur Kritiklosigkeit gebracht wurde. Der Vergleich mit heutigen Mechanismen drängte sich dabei nicht durch die Präsentation auf – vielmehr kamen die Teilnehmenden selbst auf entsprechende Gedanken.

Begriffe wie „Trostschreiber“ und „Hygieniker“ wurden erläutert, und Zitate konnten auf einem Zeitstrahl verortet werden. Besonders erschütternd war die Erkenntnis, dass menschenverachtende Aussagen auch heute noch vereinzelt ernsthaft geäußert werden. Ein Beispiel:

„Liegt es an zwei Problemfällen im heranwachsenden Alter, die durch ihr krankhaftes asoziales Verhalten [...] täglich 5.000 [...] kosteten, was uns eine kaum nachvollziehbare Summe von 1,6 Millionen [...] jährlich kostete und durch den Tod eines dieser Personen nunmehr immer noch zumindest die Halbierung dieser Unsumme in Zukunft kosten wird?“

Die zeitliche Einordnung solcher Aussagen sorgte für große Verwunderung und regte zur kritischen Reflexion an.

ehemalige Gaskammer der Tötungsanstalt Hadamar, 2011
ehemalige Gaskammer der Tötungsanstalt Hadamar, 2011

Alles in allem war es kein schöner, aber ein zutiefst lehrreicher Nachmittag – ein eindrucksvoller Beitrag zur Erinnerungskultur und ein klares Zeichen dafür, dass solche Zeiten nie wieder Wirklichkeit werden dürfen.

(Das gezeigte Zitat stammt aus dem Jahr 2021 aus einer Stellungnahme der AFD-Fraktion zum Haushaltsdefizit im Bad Kreuznacher Kreistag zum Dt. Bundestag 19. Wahlperiode und bezieht sich auf 2 Männer mit starken Beeinträchtigungen. Link)

Weitere Links:

Propaganda for the Euthanasia Program

"Mutti, nimm mich mit nach Haus.“  „Jüdische Mischlingskinder“ in der Tötungsanstalt Hadamar 1943-1945

Gedenkstätte Hadamar